Kurzer Einblick in das Leben eines hessischen Volksschullehrers um 1774 am Beispiel meines 4-fachen Urgroßonkels Joh. Georg Zinkhan (1739-1814)

Die Großmutter meiner Mutter, ANNA Margarethe Ungerer geborene DEUKER (1881-1959) entstammte einer tiefreligiös evangelisch-freikirchlichen Familie aus dem Dorf Weichersbach in der hessischen Rhön. Unter ihren Vorfahren gab es neben unzähligen Bauern auch einen Gutsverwalter, zwei Lehrer und mehrere Pfarrer. Aus der mündlich überlieferten Familiengeschichte wusste ich, dass der Bruder Georg ihres Ururgroßvaters Heinrich ZINKHAN, der Lehrer der jungen Brüder GRIMM in Steinau an der Straße, unweit von Schlüchtern in Hessen, gewesen sein soll. Gestern meldete sich ein hessischer Forscherkollege bei mir mit einem Zufallsfund aus dem Schlüchterner Stadtarchiv. Dieser Fund bestätigt nicht nur, dass Georg Zinkhan die beiden jungen Grimm-Brüder unterrichtete, er beinhaltet darüber hinaus die vielen zusätzlichen kirchlichen Aufgaben, die Zinkhan neben seiner Lehrertätigkeit zu verrichten hatte. Beim Durchlesen dieser Arbeitsliste aus dem Jahr 1774 kam mir die Figur des etwas bieder-schrulligen Lehrer Lämpel aus Wilhelm Buschs „Max & Moritz“ (1865) in den Sinn. So wie Lämpel, blieb auch mein Urururur-Großonkel sein ganzes Leben lang unverheiratet. Georg Zinkhan verstarb 75-jährig im Jahr des Wiener Kongresses „1814“ in Steinau an der Straße.

„Johann Georg Zinckhan, der Lehrer der Brüder Grimm, wurde 1739 auf dem Drasenberg bei Elm geboren, besuchte das Gymnasium Schlüchtern und die Universität Marburg und wurde 1774 Adjunkt des kranken 2. Lehrers und Glöckners Sauerwein (in Steinau an der Straße). Der Pfarrer überreichte ihm eine Instruktion über seine kirchlichen Aufgaben:

  • kein Gewerbe betreiben
  • was gegen Zucht und Ordnung ist, sofort dem Pfarrer oder dem Presbyterium melden
  • Geläute besorgen
  • Glocken mit Baumöl schmieren
  • Hochzeits- und Taufgäste bitten
  • in Notfällen in der Kirche singen
  • Kirchenlieder anschreiben
  • Opfer sammeln
  • Klingelbeutel umtragen
  • Kirchengeräte waschen
  • Totenkirche und Totenhof sauber halten
  • Uhr stellen

Der Pfarrer bat das Konsistorium Zinckhan eine Unterstützung zu gewähren, da er Kleider anschaffen müsse und 15 Gulden Schulden habe. Daraufhin erhielt er die gewünschte monatliche Unterstützung. “ (Kreisarchiv Schlüchtern: Geschichte der Stadt Steinau von Lehrer Ernst Hartmann)

Dass dies mit Verstand geschah,
War der Lehrer Lämpel da.-

(Wilhelm Busch: „Narrheiten und Wahrheiten“, Max und Moritz, Büchergilde Gutenberg, 1959)
Und mit Buch und Notenheften,
Nach besorgten Amtsgeschäften,
Lenkt er freudig seine Schritte.
Zu der heimatlichen Hütte,

(Wilhelm Busch: „Narrheiten und Wahrheiten“, Max und Moritz, Büchergilde Gutenberg, 1959)
Und voll Dankbarkeit sodann,
Zündet er sein Pfeifchen an.
„Ach!“ – spricht er – “ die größte Freud‘
Ist doch die Zufriedenheit!! -„

(Wilhelm Busch: „Narrheiten und Wahrheiten“, Max und Moritz, Büchergilde Gutenberg, 1959)
Wilhelm & Jacob Grimm 1847

https://de.wikipedia.org/wiki/Br%C3%BCder_Grimm