Heute fiel mir beim Sortieren von alten Fotos ein kleines, ziemlich unterbelichtetes Bild in die Hände auf dem ich von den 5 abgebildeten Personen nur meinen Großvater Georg Müller (* 1907), ganz rechts mit Hut, identifizieren konnte.


Der eher leicht und gediegenen Kleidung der Wandergruppe nach zu urteilen, müsste die Aufnahme an einem Sonn- oder Feiertag im Sommer, sehr wahrscheinlich um 1927-30 entstanden sein.
Die Gruppe befindet sich auf einer kleinen Anhöhe. Im Tal sind neben einer Kirche noch ein paar Wohnhäuser zu erkennen. Gleich dahinter erheben sich bewaldete Hügel. Wie so oft, wurde auf der Rückseite des Fotos nichts vermerkt. Für meinen Opa Schorsch muss dieses dunkle Foto doch von einiger Bedeutung gewesen sein, sonst hätte er es nicht mit einer Reihe von anderen schwarz-weiß Bildern in der alten Zigarrenkiste aufbewahrt, die ich immer noch habe.
Da es schier unmöglich ist herauszubekommen, wer die anderen Personen waren, wollte ich heute wenigstens wissen, wo die Aufnahme entstanden ist. In unserer Taunuslandschaft in Hessen gibt es einige Ausflugsorte die in Frage kommen könnten.
Ich dachte zunächst an Eppstein im Taunus. Die Kirche dort ähnelt jener auf dem Bild…aber auch nicht ganz, wie ich bei meiner Internetrecherche herausstellte. Beim Überlegen fiel mir ein, dass Oma Minas Ginnheimer Schwester, Großtante Babette (Barbara Boch geb Pleines) ein Wochenendhäuschen bei Schmitten im Taunus hatte und Schmitten früher ein angesehener Ausflugsort für Taunuswanderer war.
Schon nach wenigen Computer-Klicks fand ich das Farbfoto auf dem man, neben der katholischen Schmittener Felsenkirche St. Borromäus mit ihrem spitzen Turm, die beiden Anhöhen sieht, die auch auf dem alten Foto meines Großvaters zu erkennen sind, mit der Beschreibung: „Aussichtspunkt auf dem Wiegerfelsen auf Schmitten zu Füßen des Berges Pfaffenrod, daneben Sängelberg, nach rechts erhebt sich der Judenkopf, davor das Rathaus.“


Eine alte Postkarte von Schmitten aus dem Jahr 1915 die gerade im Internet zum Verkauf angeboten wird, bestätigte diesen Fund. Den Wiegerfelsen müssen wir bei unserem nächsten Besuch im Taunus unbedingt für ein aktuelles Foto erklimmen ! ![]()
Nachtrag: Ich fand jetzt noch folgende interessante Erklärung zum Wiegerfelsen und Schmittens Aufstieg zum Luftkurort im Internet:
„Er thront „mitten in Schmitten“ über dem Ort – der Wiegerfelsen, benannt nach dem praktischen Arzt Dr. Wieger, der im Jahr 1883 nach Schmitten kam und, seiner Zeit weit voraus, die klimatische Eignung Schmittens als Luftkurort erkannte.
Dr. Wieger gründete nicht nur den Kurverein, er hatte es sich auch zum Ziel gemacht, eine Postverbindung nach Oberursel einzurichten (hierzu wurde 1884 der Postverein ins Leben gerufen), das Ortsbild zu verschönern, um es für die Besucher attraktiver zu machen und angemessene Übernachtungspreise festzusetzen. Die Maßnahmen des Kurvereins hatten Erfolg. Von 125 Gästen im Jahr 1884 stieg die Besucherzahl auf 600 im Jahr 1908 und auf 3.000-4.000 in den 20er Jahren. ( 8°26’40.35“ Ost, 50°16’19.22“ Nord, 463 m ü.N.N.)“
https://pages.et4.de/de/schmitten/streaming/detail/POI/p_100008557/wiegerfelsen
Ergo: … unsere kleine Ausflugsgruppe mit Opa Schorsch um 1930, kam sicherlich per Postbus aus Oberursel angereist. Nach der Besteigung des Wiegerfelsens und einem Spaziergang in Schmitten ging es vor der Rückfahrt dann sicherlich noch in ein Café bzw. man nahm das Mittagessen in einer der Gaststätten des beliebten Taunusluftkurortes ein und bestieg den Felsen bevor es dann mit dem Postbus wieder über den Taunuskamm ins heimatliche Oberursel zurück ging.
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