Das hier abgebildete BMW-Gespann war der große Stolz meines Vaters. In den 1950ern, bevor er meine Mutter kennen lernte, unternahm er mit seiner BMW Fahrten nach Italien, Frankreich und Spanien.

Damals steckte der Tourismus aus Germany dort noch nicht einmal in den Kinderschuhen und Deutsche, wie uns mein Vater berichtete, waren 10 Jahre nach Kriegsende, nicht gerade gut angesehen. Einmal wurde er sogar mit Steinen beworfen.

Im Hof bei meinen mütterlichen Großeltern in Oberstedten um 1966. Aus dem Kinderwagen winkt mein kleiner Cousin Ulf Becker.

Sehr wahrscheinlich entstand dieses Foto auf einer der letzten Ausflüge mit unserem BMW-Gespann. Nach einer Familienfeier, ich glaube wir feierten den 55. Geburtstag meiner Großmutter Luise Becker, im Mai 1966. Am frühen Abend fuhren wir zu dritt nach Hause, Mein Vater vorne, mit meiner Mutter auf dem Sozius und ich im Beiwagen. Der Heimweg nach Oberursel war nicht weit, nur knappe 3 Kilometer. Mein Vater berichtete, dass er kurz vor der Ankunft wohl einschlief. Vielleicht hatte er auch zu intensiv an Omas legendärer Erdbeerbowle genippt… In der Oberurseler Erich-Ollenhauerstrasse kamen wir von der Fahrbahn ab und rammten ein Verkehrsschild. Meine Eltern trugen Gott-sei-Dank nur blaue Flecken und ein paar Schürfwunden davon. Ich wurde in hohem Bogen aus dem Beifahrersitz geschleudert, durchbrach das vor mir liegende Schutzfenster mit dem Kopf und landete auf beiden Füßen vor dem BMW-Gespann, wie ein Wunder, unverletzt!

Meine Mutter, vom Schreck gezeichnet, schnappte mich in ihren Armen und rannte zitternd und weinend in unsere nur ca. 300 Meter entfernte Wohnung. Ihr war der Unfall, vor den Augen all der Nachbarn, furchtbar peinlich. Schweren Herzens (und wahrscheinlich unter dem Druck meiner Mutter) verkaufte mein Vater kurz danach sein geliebtes Motorrad.

In der Folge erwarb er dann unser erstes Auto, einen gebrauchten Ford-Taunus. Vorne, um die Scheinwerfer bemalte er ihn rot und schwarz. Meine Mutter nannte von da an das neue Gefährt nur noch „unser Öchschen“. Nun hatten wir, zu viert auch mehr Platz, denn mit meiner Schwester im BMW-Beiwagen, wäre es auf die Dauer doch etwas zu eng geworden.